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Zwischen Chance und Risiko


VON IMME LOREK

Pr. Oldendorf. Sehr anschaulich und für jedermann verständlich referierte Dr. Albert Neff, seit einem Jahr Chefarzt der Lübbecker Frauenklinik, über das viel diskutierte Thema der Präimplantationsdiagnostik (PID). Auf Einladung Pastor Steffen Bäckers von der Ev. Kirchengemeinde Bad Holzhausen erläuterte er das vielschichtige Thema, das bereits in den Medien wegen seiner Gefahr des Missbrauchs großes Aufsehen erregt hat.

Unter PID versteht man die Untersuchung des Erbguts einer Eizelle auf schwerwiegende Erkrankungen vor deren Rückübertragung in die Gebärmutter. PID setzt immer künstliche Befruchtung, also eine Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas, voraus.

In seinen Ausführungen ging Dr. Neff bis ins Jahr 1978 zurück, in dem in England die erste künstliche Befruchtung stattfand, aus der die heute 33-jährige Louise Brown hervorging. Eine PID kommt also nur für Paare in Frage, die auf natürlichem Wege kein Kind bekommen können.

Ratsuchende sind oft Frauen, die aufgrund einer Erbkrankheit etliche Fehlgeburten hatten. Dr. Neff erwähnte die aus der Sendung „Hart aber fair“ bekannte Sonja W., die nach drei Fehlgeburten ihr erstes Kind nach einer PID-Diagnostik zur Welt brachte. Ihr ist es zu verdanken, dass am 21. November 2011 in Deutschland ein Gesetz in Kraft getreten ist, das PID verbietet, es sei denn die Frau leidet unter einer schwerwiegenden Erbkrankheit, wie es bei Sonja W. der Fall war. Welche Krankheiten das betrifft, ist im Gesetzesentwurf jedoch ausgespart worden. Dr. Neff ist sicher, dass es in Zukunft Listen mit diesen Krankheiten geben wird. Dr. Neff befürwortete das PID betreffende deutsche Gesetz. Im Einzelfall halte er PID für positiv, da es eine Chance für gesunde Kinder ermöglicht.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion ging es im wesentlichen um ethische Fragen, wie die mit PID verbundene Möglichkeit der Auswahl bestimmter Eigenschaften an einem Embryo und der Frage nach dem Lebensrecht. In diesem Zusammenhang gewinnt auch ein von Dr. Neff erwähnter Bluttest große Bedeutung, der das Erbgut zwar zunächst nur auf Mongolismus untersucht, aber auch auf andere Merkmale ausgedehnt werden könnte.

Die Zuhörer diskutierten vor allem über die Formen des Missbrauchs, zum Beispiel die Möglichkeit, sich bestimmte Menschen mit gewünschten Merkmalen „heranzuzüchten“.


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